Kurze Antwort: Arabisch, Persisch und Urdu sehen ähnlich aus, weil Persisch und Urdu mit der arabischen Schrift geschrieben werden. Persisch übernahm die 28 arabischen Buchstaben und ergänzte vier neue für Laute, die das Arabische nicht hat (p, tsch, sch wie in Journal, g). Urdu übernahm den persischen Satz und fügte weitere Buchstaben für südasiatische Laute hinzu, etwa die „harten“ ṭ, ḍ, ṛ. Die drei Alphabete teilen also einen Kern von 28 Buchstaben, aber jede Sprache hat eigene Zusatzbuchstaben, ein paar leicht anders gezeichnete Buchstaben und eine sehr unterschiedliche Aussprache mancher gemeinsamer Buchstaben.

Die Schrift ist gemeinsam, die Sprachen sind es nicht. Arabisch ist eine semitische Sprache, Persisch und Urdu dagegen sind indogermanische Sprachen, also entfernte Verwandte des Deutschen. Persisch und Urdu haben das Schriftsystem entlehnt, zusammen mit Tausenden arabischen Wörtern.

Eine Schrift, drei Alphabete

Denk an das lateinische Alphabet. Deutsch, Spanisch und Polnisch verwenden es alle, aber Deutsch hat ä, ö, ü und ß, Spanisch das ñ, Polnisch das ł, und das j klingt in jeder Sprache anders. Mit den arabischen Buchstaben ist genau dasselbe passiert:

Arabisch Persisch (Farsi) Urdu
Buchstaben 28 32 (28 + 4) etwa 38, je nach Zählweise
Sprachfamilie Semitisch Indogermanisch (iranisch) Indogermanisch (indoarisch)
Üblicher Druckstil Naskh Naskh-ähnliche Drucktypen; Nastaʿlīq für Lyrik, Titel und Kalligrafie Nastaʿlīq
Kurzvokale im normalen Text Meist weggelassen Meist weggelassen Meist weggelassen

Der W3C-Leitfaden zum Layout arabischer Schriften listet die Zeichen jeder Sprache auf und bestätigt das Muster: پ چ ژ گ sind Grundbuchstaben des Persischen und für das Arabische nur „Hilfszeichen“, die es gelegentlich für fremde Namen nutzt.

Wie es dazu kam

Nachdem sich der Islam im 7. Jahrhundert in Iran verbreitet hatte, wurde Arabisch dort zur Sprache von Religion und Gelehrsamkeit. In den folgenden Jahrhunderten wurde Persisch, die Alltagssprache, in arabischen Buchstaben geschrieben, und in dieser Schrift entstand eine reiche Literatur.

Später war Persisch über Jahrhunderte eine angesehene Sprache der Literatur und Verwaltung in weiten Teilen Südasiens. Urdu erhielt seine Schrift über das Persische: Deshalb hat es alle persischen Zusatzbuchstaben und wird traditionell im persischen Stil Nastaʿlīq geschrieben. Danach ergänzte Urdu eigene Buchstaben für Laute, die weder Arabisch noch Persisch brauchten.

Arabische Wörter reisten mit der Schrift. Darum sieht das Wort für „Buch“ in allen drei Sprachen gleich aus:

Deutsch Arabisch Persisch Urdu
Buch كتاب kitāb کتاب ketāb کتاب kitāb
Stift قلم qalam قلم qalam قلم qalam
Arabisch (die Sprache) عربي ʿarabī عربی arabi عربی ʿarabī

Schau dir das letzte Wort genau an. Es ist dasselbe Wort, aber Arabisch beendet es mit ي (zwei Punkte unten), Persisch und Urdu mit ی (ohne Punkte). Mehr dazu weiter unten.

Die 4 Buchstaben, die Persisch ergänzt

Arabisch hat kein p, kein tsch, kein weiches sch wie in Journal und kein hartes g. Persisch brauchte alle vier und bildete sie, indem es vorhandenen arabischen Formen Punkte hinzufügte:

Neuer Buchstabe Basiert auf Laut Persisches Beispiel Urdu-Beispiel
پ pe ب b + 3 Punkte unten p پدر pedar (Vater) پانی pānī (Wasser)
چ che ج j + 3 Punkte unten tsch (wie in Tschüss) چای chāy (Tee) چائے chāy (Tee)
ژ zhe ز z + 3 Punkte oben stimmhaftes sch (wie in Journal) ژاپن Zhāpon (Japan) im Urdu selten
گ gāf ک k + ein zweiter Strich g (wie in gut) گل gol (Blume) گھر ghar (Haus)

Der Trick ist derselbe, den das Arabische selbst nutzt: eine Grundform, andere Punkte, ein anderer Laut. Wenn du ب ت ث schon kennst, ist پ leicht zu erraten.

Die Buchstaben, die Urdu ergänzt

Urdu ist der engste Verwandte des Hindi und braucht Laute, die in südasiatischen Sprachen häufig sind. Die wichtigsten Ergänzungen:

Buchstabe Name Laut Urdu-Beispiel
ٹ ṭe retroflexes ṭ (Zunge nach hinten gebogen) ٹھیک ṭhīk (gut, okay)
ڈ ḍāl retroflexes ḍ ڈاک ḍāk (Post)
ڑ ṛe retroflexes, geschlagenes ṛ بڑا baṛā (groß)
ں nūn ghunna Nasalvokal, kein volles n ہاں hāṉ (ja)
ھ do-chashmī he fügt einen Hauch hinzu (Behauchung) کھانا khānā (Essen)
ہ gol he das gewöhnliche h ہم ham (wir)
ے baṛī ye e oder ä am Wortende ہے hai (ist)

Das kleine Zeichen, das ت in ٹ verwandelt (und د in ڈ, ر in ڑ), heißt ṭoe: ein kleines ط, darübergeschrieben. Wenn du das weißt, ergeben alle drei retroflexen Buchstaben Sinn.

Der Buchstabe ھ ist besonders: Er steht hinter einem anderen Buchstaben und zeigt, dass der Laut behaucht wird. So wird ک k zu کھ kh (wie in khānā) und گ g zu گھ gh (wie in ghar). Im Deutschen hörst du so eine Behauchung übrigens auch, etwa beim k in Kind. Manche Lehrkräfte zählen diese Paare als eigene Buchstaben, deshalb findest du für das Urdu-Alphabet unterschiedliche Zahlen.

Gleicher Buchstabe, etwas andere Form

Drei Buchstaben werden etwas anders gezeichnet, und Computer speichern sie sogar als verschiedene Zeichen:

Buchstabe Arabisch Persisch und Urdu Worauf du achten solltest
k ك ک Am Wortende hat das arabische kāf ein kleines Zeichen im Inneren; die persische und Urdu-Form hat stattdessen oben einen langen Strich.
y / ī ي ی Arabisch behält die zwei Punkte unten überall. Persisch und Urdu lassen sie am Wortende weg.
h ه Persisch ه, Urdu ہ und ھ Urdu teilt den arabischen Buchstaben in zwei Buchstaben mit zwei Aufgaben.

Die Unterschiede bei kāf und yāʾ siehst du nebeneinander im Wort für „Stuhl“: Arabisch كرسي (kursī), Urdu کرسی (kursī). Gleiche Buchstaben, gleiches Wort, zwei Schreibweisen.

Auch das arabische tāʾ marbūṭa (ة), die weibliche Endung, ändert sich. Im Persischen und im Urdu enden arabische Lehnwörter meist auf he oder auf ein volles t:

Deutsch Arabisch Persisch Urdu
Schule مدرسة madrasa مدرسه madrese مدرسہ madrasa
Preis, Wert قيمة qīma قیمت qeymat قیمت qīmat

Gleicher Buchstabe, anderer Laut

Das ist der wichtigste Unterschied, wenn du zwischen den Sprachen wechselst. Arabisch gibt jedem seiner 28 Buchstaben einen eigenen Laut. Persisch und Urdu haben die arabische Schreibung der Lehnwörter beibehalten, sprechen aber mehrere dieser Buchstaben gleich aus. Richard Ishidas Urdu-Notizen für das W3C fassen es so zusammen: Urdu hat drei Buchstaben für s und vier für z, weil es die arabische Schreibung von Wörtern arabischer Herkunft bewahrt.

Das kennst du aus dem Deutschen: f und v klingen in Vater und fahren gleich. Die Schreibung bewahrt eine Geschichte, die die Aussprache nicht mehr unterscheidet.

Buchstabe Laut im Arabischen Laut im Persischen Laut im Urdu
ث th (wie im englischen think) s s
ص „schweres“ s s s
ذ dh (wie im englischen this) z (stimmhaftes s) z
ض „schweres“ d z z
ظ „schweres“ dh z z
ط „schweres“ t t t
ح gehauchtes ḥ aus der Kehle h h
ع ʿayn, ein Kehllaut ein leichter Knacklaut oder nichts ein leichter Knacklaut oder nichts
و w (englisch) oder ū w (deutsch) oder u w oder ū/o

Zwei weitere: Im alltäglichen Persisch klingen ق und غ gleich, wie ein tiefes gh, während im Arabischen ق ein tiefes q und غ ein gegurgeltes gh ist, ähnlich dem deutschen Zäpfchen-r.

Für Persisch- und Urdu-Sprecher, die Arabisch lernen, ist diese Tabelle die eigentliche Hausaufgabe. Du erkennst ص, ض und ح schon, aber im Arabischen sind sie nicht „noch ein s, noch ein z, noch ein h“. Im Arabischen sind تِين (tīn, „Feigen“) und طِين (ṭīn, „Lehm“) zwei verschiedene Wörter, und nur der erste Buchstabe unterscheidet sie. Unser Artikel darüber, warum manche Laute schwer auszusprechen sind (auf Englisch), erklärt, warum der Mund auf vertraute Laute zurückfällt, und mit unseren kostenlosen arabischen Audiolektionen hörst du den Unterschied in echten Wörtern.

Zahlen: zwei Familien „arabischer“ Ziffern

Die Ziffern, die wir „arabische Ziffern“ nennen (0–9), werden überall verwendet. Daneben haben Arabisch und Persisch eigene Ziffernformen, und die sind nicht identisch. Der W3C-Leitfaden nennt zwei getrennte Familien: eine in Ländern wie Ägypten, Saudi-Arabien und dem Irak, die andere in Iran und Afghanistan. Die meisten Ziffern stimmen überein; die deutlichsten Unterschiede liegen bei 4, 5 und 6:

4 5 6
Arabisch ٤ ٥ ٦
Persisch ۴ ۵ ۶

Urdu verwendet die persischen Ziffernzeichen, laut denselben W3C-Notizen unterscheiden sich seine üblichen Formen für 4, 5 und 7 aber noch einmal von den arabischen. Wie im Arabischen werden Zahlen von links nach rechts gelesen, auch mitten in einem Text, der von rechts nach links läuft.

Ein Satz, drei Sprachen

Dieser kurze Satz zeigt die gemeinsame Schrift und die sehr unterschiedliche Grammatik:

Satz Umschrift
Arabisch هذا كتاب hādhā kitāb
Persisch این کتاب است in ketāb ast
Urdu یہ کتاب ہے yeh kitāb hai

Alle drei bedeuten „Das ist ein Buch.“ Das Wort kitāb ist gemeinsam, aber Arabisch braucht kein Verb für „ist“, während Persisch und Urdu das Verb (است ast, ہے hai) ans Ende stellen, ähnlich wie das Deutsche im Nebensatz.

Kannst du Arabisch lesen, wenn du Persisch oder Urdu liest?

Du kannst die meisten arabischen Wörter lautieren und viele wiedererkennen, aber arabische Sätze verstehst du nicht, ohne Arabisch zu lernen. Die Schrift ist ein großer Vorsprung; Grammatik, der Großteil des Alltagswortschatzes und die Laute müssen trotzdem gelernt werden. Konkret:

  • Dein Vorteil: Du liest schon von rechts nach links, kennst die Verbindungsregeln und Tausende arabische Lehnwörter wie kitāb, qalam, ʿilm (Wissen) oder waqt (Zeit).
  • Was du neu lernen musst: die Laute aus der Tabelle oben, die arabischen Formen von ك und ي und das Lesen von Naskh, wenn du an Nastaʿlīq gewöhnt bist.
  • Was ganz neu ist: die arabische Grammatik (Wurzeln und Muster, Verbformen, Dual und Plural) und die arabischen Alltagswörter, die nie ins Persische oder ins Urdu gelangt sind.

In die andere Richtung, vom Arabischen zum Persischen oder Urdu, brauchst du vor allem die Zusatzbuchstaben, die drei Formänderungen und ein einfacheres Lautsystem. Andere Sprachen in arabischer Schrift, etwa Paschtu, Sindhi, Kurdisch (Sorani) und Uigurisch, folgen derselben Idee mit eigenen Zusatzbuchstaben.

Wie es weitergeht

Wenn du ganz neu mit Arabisch anfängst, beginne mit unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie du das arabische Alphabet schnell lernst: Sie ordnet die 28 Buchstaben in Familien und gibt dir einen 7-Tage-Leseplan. Entscheide danach, welches Arabisch du zuerst lernen solltest, denn die Schrift ist für modernes Hocharabisch und alle gesprochenen Dialekte dieselbe.

Sie möchten über die Buchstaben hinausgehen? Unser Vergleich von Persisch (Farsi) und Arabisch zeigt, wie verschieden die beiden Sprachen in Grammatik und Alltagswortschatz sind.

Wer Persisch oder Urdu liest, kommt oft am schnellsten mit einem Kurs voran, der die vertrauten Buchstaben vom ersten Tag an als arabische Laute behandelt. Genau so beginnt unser kompletter Arabisch-Videokurs (auf Englisch): jeder Buchstabe mit seiner arabischen Aussprache, seinen Formen und deinen ersten Wörtern zum Lesen.

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Quellen und weiterführende Literatur