Kurze Antwort: Arabisch und Hebräisch sind eng verwandt. Beide sind semitische Sprachen, beide bilden ihre Wörter aus Wurzeln mit drei Konsonanten, und viele Grundwörter sind deutlich dasselbe Wort: salām und shalom („Frieden"), bayt und bayit („Haus"), anā und ani („ich"). Gegenseitig verständlich sind sie aber nicht. Wer die eine Sprache spricht, erkennt in der anderen bekannte Wörter und Muster, kann einem normalen Gespräch ohne Lernen aber nicht folgen. Man kann sie sich als Cousinen vorstellen, ähnlich wie Spanisch und Italienisch, nur weiter voneinander entfernt.

Auch die Schriften sind verschieden. Hebräisch hat 22 Buchstaben, die einzeln stehen; Arabisch hat 28 Buchstaben, die miteinander verbunden werden. Beide schreibt man von rechts nach links, und beide lassen die kurzen Vokale normalerweise weg.

Deutsche Leser kennen übrigens schon hebräische Wörter, die über das Jiddische ins Deutsche kamen, etwa meschugge. Und selbst Samstag geht über das Griechische auf hebräisch שבת shabat zurück, auf Arabisch heißt Samstag السبت as-sabt.

Eine Familie, verschiedene Zweige

Sprachwissenschaftler ordnen Arabisch und Hebräisch der semitischen Sprachfamilie zu, zusammen mit Aramäisch, Amharisch und Maltesisch. Der Stammbaum der Encyclopaedia Britannica stellt Hebräisch mit Aramäisch in die nordwestsemitische Gruppe und Arabisch mit seinen Dialekten in einen eigenen Zweig. Praktisch heißt das: ein gemeinsamer Vorfahr, eine gemeinsame Art, Wörter zu bilden, und Jahrtausende getrennter Entwicklung.

Arabisch Hebräisch
Familie Semitisch Semitisch
Alphabet 28 Buchstaben, verbunden (Schreibschrift) 22 Buchstaben, unverbunden
Schreibrichtung Von rechts nach links Von rechts nach links
Kurze Vokale im Alltagstext Meist weggelassen Meist weggelassen
Buchstabenformen Bis zu 4 Formen je Buchstabe (allein, Anfang, Mitte, Ende) 5 Buchstaben haben eine eigene Endform
Name der Sprache العربية al-ʿarabiyya עברית ivrit

Modernes Hebräisch ist die Alltagssprache von Millionen Menschen, vor allem in Israel, und Hebräisch ist seit vielen Jahrhunderten die Sprache des jüdischen Gebets und der jüdischen Gelehrsamkeit. Arabisch wird von Marokko bis zum Golf in vielen Dialekten gesprochen, mit dem modernen Hocharabisch (auf Englisch) als gemeinsamer Schriftsprache.

Wörter, die Sie wiedererkennen

Diese Alltagswörter stammen von denselben alten Wurzeln. Lesen Sie die Umschrift laut, dann hört man die Familienähnlichkeit sofort.

Deutsch Arabisch Hebräisch
Frieden, Hallo سلام salām שלום shalom
Haus بيت bayt בית bayit
Tag يوم yawm יום yom
Auge عين ʿayn עין ayin
Name اسم ism שם shem
Jahr سنة sana שנה shana
Kopf رأس raʾs ראש rosh
Hund كلب kalb כלב kelev
Sohn ابن ibn בן ben
Schüler, Student تلميذ tilmīdh תלמיד talmid
Amen آمين āmīn אמן amen
Samstag / Sabbat السبت as-sabt שבת shabat

Die Pronomen und die ersten Zahlen sind genauso nah beieinander:

Deutsch Arabisch Hebräisch
ich أنا anā אני ani
du (zu einem Mann) أنتَ anta אתה ata
du (zu einer Frau) أنتِ anti את at
er هو huwa הוא hu
sie (Singular) هي hiya היא hi
wir نحن naḥnu אנחנו anaḥnu
eins واحد wāḥid אחת aḥat
zwei اثنان ithnān שתיים shtayim
drei ثلاثة thalātha שלוש shalosh
vier أربعة arbaʿa ארבע arba
fünf خمسة khamsa חמש ḥamesh

Die hebräischen Zahlen sind die Formen, die man beim einfachen Zählen benutzt. Arabisch hat außerdem أحد aḥad für „eins", das dem hebräischen eḥad noch näher ist.

Die Lautentsprechungen, die sie verbinden

Die Wörter sind nicht identisch, weil jede Sprache im Lauf der Zeit einige Laute verändert hat. Wer die regelmäßigen Muster kennt, kann ein Wort oft im Kopf „umrechnen":

Muster Arabisch Hebräisch
arabisches s = hebräisches sh سلام salām, اسم ism, سنة sana שלום shalom, שם shem, שנה shana
arabisches th = hebräisches sh ثلاثة thalātha, ثور thawr (Ochse) שלוש shalosh, שור shor (Ochse)
arabisches langes ā = hebräisches o salām, kātib (Schreiber) shalom, kotev (Schreiber, schreibt)
arabisches aw = hebräisches o yawm, thawr yom, shor
arabisches ay = hebräisches ayi oder e bayt, ʿayn bayit, ayin
arabisches ḍ = hebräisches ts ضحك ḍaḥika (er lachte) צחק tsaḥak (er lachte)
arabisches kh oft = hebräisches ḥ خمسة khamsa חמש ḥamesh

Die Britannica erklärt, woher einige dieser Muster kommen. Die alten Laute th und dh (wie im Englischen think und this) gingen in den kanaanäischen Sprachen, dem Zweig des Hebräischen, verloren und fielen mit s-Lauten zusammen, während das klassische Arabisch sie bewahrte. Arabisch hat auch die Kehllaute der alten Familie vollständiger erhalten als die meisten Verwandten. Deshalb gibt es Buchstaben wie ث ذ ض ظ غ ohne eigene hebräische Entsprechung.

Hebräisch hat eine eigene Veränderung: Die Buchstaben für b, k, p werden nach einem Vokal zu v, kh (wie in ach), f. Darum ergibt die Wurzel k-t-b im Arabischen kataba, im Hebräischen aber katav, und „Hund" heißt arabisch kalb, hebräisch kelev.

Wie modernes Hebräisch im Vergleich zum Arabischen klingt

Auf dem Papier hat Hebräisch Buchstaben, die den arabischen Kehllauten entsprechen: ח (ḥet) entspricht arabisch ح, und ע (ayin) arabisch ع. In der Standardaussprache des modernen Hebräisch sprechen die meisten ח aber wie das ch in ach, genau wie כ, und ע wie einen einfachen Vokal oder einen leichten Stimmabsatz, genau wie א. Das hebräische ר ist meist ein Zäpfchen-r wie im Deutschen, nicht das gerollte ر des Arabischen. Und Hebräisch hat keine „schweren" emphatischen Konsonanten: ט klingt wie ת, und ק wie k.

Für Lernende wirkt das in zwei Richtungen:

  • Hebräischsprecher, die Arabisch lernen, müssen Laute dazulernen: die emphatischen ص ض ط ظ, die Kehllaute ح und ع und die eigenen Buchstaben ث und ذ. Unser Ratgeber zu den schwierigsten arabischen Lauten (auf Englisch) zeigt, wie man sie übt.
  • Arabischsprecher, die Hebräisch lernen, müssen sich vor allem entspannen: weniger verschiedene Konsonanten, dazu die Laute p und v, die es im Arabischen nicht gibt.

Grammatik: derselbe Bauplan

Die tiefste Ähnlichkeit liegt nicht in den Wörtern, sondern darin, wie sie gebaut werden.

Wurzeln und Muster. In beiden Sprachen entstehen die meisten Wörter aus einer Wurzel mit drei Konsonanten, und Vokalmuster um die Wurzel herum verändern die Bedeutung. Der Britannica-Eintrag zum Wurzel-Muster-System nimmt die arabische Wurzel k-t-b („schreiben") als Beispiel. Hebräisch hat dieselbe Wurzel:

Bedeutung Arabisch Hebräisch
er schrieb كَتَبَ kataba כתב katav
Schreiber / schreibt كاتِب kātib כותב kotev
geschrieben مَكْتوب maktūb כתוב katuv
ma- + Wurzel مَكْتَب maktab (Büro, Schreibtisch) מכתב mikhtav (ein Brief)

Männlich und weiblich. Beide Sprachen markieren das Femininum mit der Endung -a: arabisch كلب kalb / كلبة kalba, hebräisch כלב kelev / כלבה kalba (Hund / Hündin). Beide haben auch zwei Wörter für „du", je nachdem, ob man mit einem Mann oder einer Frau spricht, wie die Pronomentabelle zeigt.

Kein „ist" im Präsens. Arabisch und Hebräisch lassen das Verb „sein" in einfachen Sätzen im Präsens weg, und beide stellen das Adjektiv hinter das Nomen:

Deutsch Arabisch Hebräisch
Das Haus ist groß. البيت كبير. al-bayt kabīr. הבית גדול. ha-bayit gadol.
das große Haus البيت الكبير al-bayt al-kabīr הבית הגדול ha-bayit ha-gadol
die Tür des Hauses باب البيت bāb al-bayt דלת הבית delet ha-bayit
mein Haus بيتي baytī הבית שלי ha-bayit sheli

Achten Sie auf den Artikel: arabisch ال al- und hebräisch ה ha-. Andere Laute, dieselbe Aufgabe, und in beiden Sprachen wird er bei „das große Haus" vor dem Adjektiv wiederholt. Auch die Konstruktion „die Tür des Hauses" (arabisch iḍāfa, hebräisch smikhut) funktioniert gleich. Hebräisch kann wie Arabisch -i für „mein" anhängen (ביתי beyti), im Alltag ist ha-bayit sheli aber viel häufiger.

Paare. Arabisch verwendet den Dual bei jedem Nomen: يومان yawmān (zwei Tage). Hebräisch hat den Dual vor allem für Zeitwörter und paarige Körperteile behalten: יומיים yomayim (zwei Tage), עיניים eynayim (Augen).

Die Unterschiede. Das formelle Arabisch hat Kasusendungen (-u, -a, -i), die Hebräisch schon lange verloren hat. Arabische Verben haben mehr Formen und sogar Dualendungen („ihr beide habt geschrieben"). Die Grammatik des modernen Hebräisch ist in diesen Punkten einfacher, und sein Alltagswortschatz enthält viele Wörter, die in moderner Zeit gebildet oder aus europäischen Sprachen übernommen wurden, etwa קפה kafe (Kaffee) und טלפון telefon (Telefon).

Dieselbe Buchstabenfolge

Beide Alphabete stammen aus derselben alten Schrifttradition, und das sieht man noch an der Reihenfolge. Die alte arabische Buchstabenfolge, nach ihren ersten vier Buchstaben abjad genannt, folgt bei den ersten 22 Buchstaben der hebräischen Reihenfolge:

Hebräische Reihenfolge א ב ג ד ה ו ז ח ט י כ ל מ נ ס ע פ צ ק ר ש ת
Arabische abjad-Reihenfolge ا ب ج د ه و ز ح ط ي ك ل م ن س ع ف ص ق ر ش ت

Danach fügt Arabisch die sechs Buchstaben an, die Hebräisch nicht hat: ث خ ذ ض ظ غ. Arabische Schulbücher benutzen heute eine andere Reihenfolge, die die Buchstaben nach ihrer Form gruppiert (ا ب ت ث…), aber die abjad-Folge dient bis heute zum Nummerieren von Listen, wie „a, b, c" im Deutschen. Omniglot führt die hebräische Schrift auf das frühe aramäische Alphabet zurück; auch die arabische Schrift stammt von einem aramäisch geprägten Alphabet ab. Darum sind beide Schriftfamilien verwandt, obwohl sie heute so verschieden aussehen.

Falsche Freunde

Eine gemeinsame Wurzel heißt nicht immer dieselbe Bedeutung. Ein paar klassische Fallen:

Wurzel Arabisch Hebräisch
l-ḥ-m لحم laḥm = Fleisch לחם leḥem = Brot
b-k-r بكرة bukra = morgen (in vielen Dialekten) בוקר boker = der Morgen
k-t-b مكتب maktab = Büro, Schreibtisch מכתב mikhtav = ein Brief

Und manche Alltagswörter sind einfach verschieden: „danke" heißt auf Arabisch شكرا shukran und auf Hebräisch תודה toda; „guten Morgen" heißt صباح الخير ṣabāḥ al-khayr und בוקר טוב boker tov.

Wörter wanderten auch in die andere Richtung: Das umgangssprachliche Hebräisch hat aus dem Arabischen Wörter wie יאללה yalla („los, komm", von arabisch يلا) und אהלן ahlan („hi", von arabisch أهلا) übernommen.

Ein kurzer Dialog im Vergleich

Hier ein einfacher Austausch auf modernem Hocharabisch und auf modernem Hebräisch. Achten Sie auf die gemeinsamen Wörter ism / shem („Name") und wāḥid / eḥad („eins").

Arabisch Hebräisch
A: Hallo! مرحبا! marḥaba! שלום! shalom!
A: Wie heißt du? (zu einem Mann) ما اسمك؟ mā ismuka? מה שמך? ma shimkha?
B: Ich heiße Sara. اسمي سارة. ismī Sāra. שמי שרה. shmi Sara.
A: Einen Kaffee, bitte. قهوة واحدة من فضلك. qahwa wāḥida min faḍlik. קפה אחד, בבקשה. kafe eḥad, bevakasha.
B: Danke! شكرا! shukran! תודה! toda!

Im lockeren gesprochenen Hebräisch fragt man „Wie heißt du?" häufiger mit איך קוראים לך? eykh korim lekha? („wie nennt man dich?"), so wie Arabischsprecher oft in den Dialekt wechseln, zum Beispiel ins Levantinische شو اسمك؟ shū ismak?

Ist Arabisch leichter, wenn man Hebräisch kann?

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Quellen und weiterführende Literatur